Wieso das Schwein?

Eine kleine Hommage

Der viel zu lange Arbeitstitel Horner Geest's (Nach-) mittagskinder wurde von Ilse Grant verkürzt auf , weil sie sich bei der Antragsstellung bei der BürgerStiftung damals dachte, ein schräger Name müsse es schon sein, nachdem sie auf deren Website einen ähnlich komischen entdeckt hatte, der ein längeres Wort abkürzte. Zumindest fiel er auf. Und der Antrag wurde angenommen.
Weil er aber trotzdem für manche immer noch schwer aussprechbar ist, wird auch manchmal die Kurzform 'Hogs' verwendet.

Im Deutschen heißt das ja erst mal gar nicht viel, aber wer im Englischunterricht aufpasste, könnte es schonmal gehört haben.
Wer dazu noch Harry Potter gelesen hat, dem ist auch schon der fiktive Name 'Hogsmead' (sprich: hogsmied) begegnet. Das war das Zaubererdorf, in das die Schüler des Zauberei-Internates 'Hogwarts' immer gerne Ausflüge machten an schulfreien Tagen.

Um nicht lange drum herum zu reden: das englische 'hog' heißt 'großes Schwein'.
Hogsmead heißt wörtlich übersetzt: "Schweinemet" (Met = Honigwein) oder -wenn mead als Kurzform von meadow gelesen wird- auch "Schweinewiese".
Von Hogwarts wollen wir hier gar nicht erst anfangen :-)))
Die Wurzeln gehen offenbar bis nach Afrika...

Das soll nun unsere muslimischen Brüder und Schwestern nicht erschrecken oder gar abstoßen, sondern eher zum Dialog ermuntern. Es ist nämlich eigentlich ganz lustig, was da noch alles so drin steckt! Als Tierfreundin, die keinerlei Fleisch isst, ist Frau Grant davon überzeugt, dass wir im Umgang mit (Vorurteilen gegenüber) anderen Wesen alle noch viel lernen können. Deswegen findet sie: das Schwein muss bleiben.

In diesen Breitengraden gibt es zu diesem Tier auch noch andere Assoziationen, nämlich die Verbindung zum Glück. So heißt zum Beispiel "Der hatte 'großes Schwein' "nichts anderes, als dass die Person sehr großes Glück hatte. Wer 'Schwein hat', der hat Glück im Leben.
Daraus entstand dann das Wortspiel, dass die Kinder auf der Horner Geest Schwein hätten, dass es dieses Projekt mit den Nachmittagsangeboten für sie gibt. Da ist ja auch was dran.

Aber es geht noch weiter. Wie wir wissen, ist das domestizierte Hausschwein, dessen Mist in der Massentierhaltung so schrecklich stinkt (aber welches Lebewesen tut das nicht unter widrigen Bedingungen!?), ein naher Verwandter des Wildschweines. Diese wiederum sind sehr intelligent und mit ihren feinen Spürnasen werden sie sogar in manchen Gegenden der Welt für die Trüffelsuche eingesetzt (und sind dabei so schlau, sie auch selbst zu fressen, weswegen sie dann doch nicht soo gut geeignet sind, weil sie ihrem Instinkt folgen und nicht an denjenigen denken, der mit ihnen Geld verdienen möchte). Trüffel sind eine sündhaft teure Delikatesse und wachsen als Pilze unter der Erde.

Kommt noch hinzu, dass Frau Grant's Heimat im Vorspessart liegt und dort jede Menge Wildschweine in den Wäldern leben, dass nicht nur so manchem Jäger der Mund wässrig wird. Die abfotografierten Keramikfigürchen stammen dort her, Mutter und Kind.

Außerdem hat das Wildschwein eine unglaubliche Vorgeschichte in der Frauengeschichte, wie im Buch "Das Schwarzmondtabu" von Jutta Voss dargelegt wird. Dort heißt es auf dem Buchdeckel: In der Wiedergewinnung ihrer kultischen und kulturellen Vollmacht sieht die Autorin nicht nur Heilung für die Frau, sondern auch für den Umgang mit Menschen und der Natur und ihren kosmischen Rhythmen. Nicht ohne Relevanz in der Frauenliteratur - wenn nicht gar bei der kulturellen Verständigung!
Wer das überaus nette Büchlein "Rosalie und Trüffel"  kennt, der könnte ebenso gewogen sein diese Tiere sympatisch zu finden wie die Besucher des Filmes "Das Schweinchen Babe", nicht minder süß.

In der Verniedlichung liegt dann auch der Schlüssel zu den Herzen all jener, auf deren Wohlwollen ein soziales Projekt angewiesen ist. Kinder erwecken archetypischen Beschützerinstinkt und eine gewisse Milde. Die ausgewachsenen Tiere dürfen in der Regel mit weniger Zuneigung rechnen.  Wieso eigentlich? So lange man sie nur als Schlachtvieh hält, wäre allzuviel Mitgefühl paradox und würde stören.

Drum ist hier symbolisch für ein philosophisches Thema eine ausgewachsene Wildsau abgebildet, die in freier Wildbahn selbstbewußt ihre Würde und Ehre mit sich spazierenträgt, egal ob man sie mag oder nicht.  Sie weiß nichts von dem schlechten Image, das ihr zugeschrieben wird - wer immer sich dazu berechtigt fühlt. Hier kehre jedeR vor der eigenen Türe.

Haben wir nicht auch genau dieses Ziel im Auge, wenn wir die Kinder fit machen wollen für's Leben? Wir wissen, dass nicht jeder Mensch studieren kann und doch sollte ein Leben in Würde und gegenseitigem Respekt möglich sein. Bei aller Bildung ist die Herzensbildung nicht zu vergessen!
Egal aus welchem Stadtteil man in dieser Stadt kommt und was anderswo über den Hamburger Osten gedacht, gesprochen und geschrieben wird - hier geht die Sonne auf und in diese Richtung bewegt sich der Globus.

Lang leben die Hogs!

PS: Die Kinder selbst, befragt nach ihrem Lieblingsentwurf der neuen Web-Layouts, wählten übrigens mit überwältigender Mehrheit denjenigen, bei dem ein 'cooles Schwein' die erste Seite zierte. Unabhängig von ihrer Herkunft und dem kulturellem Hintergrund...    
Drum sei dieser Entwurf hier ausdrücklich gewürdigt.